Gesundheitsstation

Der Entwicklungsstand in unserer Partnergemeinde ist insgesamt extrem niedrig. Die Tatsache, dass vor unserem Kommen keine der Schulen über sauberes Wasser oder gar Latrinen verfügte, weist auf das Fehlen jeglichen Hygienebewusstseins hin. Der Ort verfügte über einen sogenannten Gesundheitsposten ("Sub-Health Post"). Der Posten war selten betriebsbereit, seine Dienste hatten für die Bevölkerung nur geringe Bedeutung. Nach teilweiser Zerstörung im Zuge der maoistischen Unruhen musste die Station auch noch provisorisch in einem anderen Raum untergebracht werden.

Die alte Gesundheitsstation
Die medizinische Ausstattung









Bei einer Befragung von Frauen durch eine nepalische Sozialarbeiterin im Jahr 2001 ergab sich u.a., dass für sie ein besserer Service der Gesundheitsstation und vor allem eine Möglichkeit, ihre Kinder unter besseren hygienischen Bedingungen zur Welt zu bringen, höchste Priorität hatte. Dies war der Anfang zu vielen weiteren Überlegungen, die letztlich dazu führten, dass wir der Gemeinde halfen, die Gesundheitsstation wieder aufzubauen, allerdings in einem Umfang, der im Interesse der Frauen den üblichen staatlichen Standard weit übertraf.









Bei Frauenversammlungen in allen Dörfern versucht die Sozialarbeiterin Anshu, die Wünsche der Frauen zu ermitteln. 
Während der Vorbereitung gab es in der Gemeinde Differenzen über verschiedene Detailfragen, die den weiteren Fortgang blockierten. Bei einer Reise im April 2004 konnten aber mit den verschiedenen Partnern alle wesentlichen Punkte diskutiert und einvernehmlich geklärt werden. Der Baubeginn erfolgte Ende 2004, die Inbetriebnahme war im November 2006. Die neue Station war so konzipiert, dass sie über den staatlichen Standard von 4 Räumen hinaus folgende "Extras" umfasste:

  • einen zusätzlichen Raum zur Schwangerschaftsbetreuung und für Entbindungen,
  • einen separaten Raum mit einem Bett, so dass im Notfall auch jemand über Nacht bleiben kann,
  • einen Versammlungsraum, wo die Frauen auch die Möglichkeit haben, sich einmal ohne die Männer zu treffen,
  • einen kleinen Raum daneben, wo Kinder betreut werden können, wenn die Mütter in einer Versammlung sind.




Die fertige Gesundheitsstation mit WC, Wasserreservetank sowie Anlage zur Verbrennung von Müll. Hinzu gekommen ist ein zweistöckiger Anbau (dahinter). 









Entbindungsraum
Yashoda bei der Untersuchung einer Schwangeren.



















Da in der Kategorie eines SHP (Sub-Health Post) Geburten nicht vorgesehen waren, gab es vom Staat auch kein Geld für dafür geschultes Personal. Wir haben daher während der Bauzeit eine Schwester (Yashoda Basnet) ausbilden lassen, die auch geburtshilflich tätig sein kann. Ihr Gehalt wurde voll von uns bezahlt.












Wir hatten Wert darauf gelegt, dass die Station ist trotz unserer Finanzierung Teil des staatlichen Gesundheitssystems blieb, so dass die normalen Betriebskosten (Standard-Personal für diese Kategorie, Minimalausstattung mit Medikamenten) vom Staat gezahlt werden. Auf uns entfallen nur die Kosten, die über diesen Basisbetrieb hinausgehen.


Die überdurchschnittlich gute Ausstattung der Krankenstation hat dazu geführt, dass der District Health Officer im Herbst 2009 die Aufwertung der Station zum Birthing Centre vorgeschlagen hat. Dies hat zur Folge, dass für jede hier betreute Geburt vom Staat 2000 Rs gezahlt werden, wovon die Hälfte als Anreiz für die Frauen bestimmt ist, in hygienisch einwandfreier Umgebung zu entbinden. Das restliche Geld kann die Krankenstation zum Einkauf fehlender Medikamente verwenden. Außerdem bekommt jede Frau aus Projektmitteln zwei Baby-Sets als Erstausstattung, damit das Neugeborene nicht, wie meist üblich, von der Mutter in Lumpen gewickelt wird. 

Die genannte Aufwertung implizierte freilich, dass zwei ausgebildete Krankenschwestern/Hebammen bereitstehen mussten, um einen Bereitschaftsdienst der Station über 24 Stunden zu gewährleisten. Die von uns unterstützte Krankenschwester Yashoda, der wir zunächst eine Ausbildung als CMA (Community Medical Assistant) mit einer Grundausbildung in Geburtshilfe finanziert hatten, erhielt, nachdem sie fast 3 Jahre im SHP gearbeitet hatte, seit Okt. 2009 in Kathmandu die erforderliche Zusatzausbildung, mit der sie dann neben der vom Staat bezahlten Schwester als zweite Fachkraft (Vollschwester und Hebamme) ihren Dienst tat. Da wir aber während ihrer Abwesenheit eine Vertretung mit der entsprechenden Qualifikation bezahlten, konnte die oben erwähnte Aufwertung als Birthing Centre schon ab April 2010 in Kraft treten, was für Sub-Health Posts bisher nur selten geschehen ist. Wir freuen uns über diese Anerkennung unserer Arbeit. 

Weiterhin haben wir den bisher als Versammlungsraum genutzten Teil der Krankenstation in einen Bettenraum umgewandelt, damit Schwangere schon vor der Geburt und einen Tag danach in der Station sein können. Aufgrund der guten Performance der Station wurde sie 2011 vom SHP in die nächst höhere Kategorie eines HP - Health Post hochgestuft.

Wir haben schließlich einen Vorschlag des für die Station zuständigen Gesundheitskomitees aufgegriffen, einen Anbau zu erstellen, in dem jeweils eine der Dienst habenden Schwestern wohnen kann und wo begleitende Angehörige von Gebärenden wohnen und für die Patienten Essen zubereiten können. Dieser Anbau war 2013/14 fertiggestellt, im ersten Halbjahr 2014 erfolgte die Inneneinrichtung.




Da die Versorgung der Station mit Medikamenten durch den Staat völlig unzureichend ist, haben wir der Einrichtung eines revolvierenden Medikamentenfonds zugestimmt, den wir mit einem Grundbetrag ausgestattet haben. Davon können fehlende Medikamente nachgekauft und im Fall von zahlungsfähigen Patienten auch verkauft werden. In den Fonds fließen daneben Einnahmen der Station aus der vom Staat gezahlten Geburtsprämie und der (allerdings geringen) Patientengebühr.